Das Gespräch mit Christoph Müller
wird präsentiert von:

Der "Große" Mann beim SVM

Hallo Schlacks,
die neue Saison steht bevor und der SVM geht zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte mit zwei über kreisklassigen Mannschaften ins Rennen.
Wie stolz bist du darauf?

Schlacks:
Schon sehr stolz, besonders wenn man die Entwicklung der 2.Mannschaft sieht. Nach dem Aufstieg in die Kreisliga A in der Saison 2003/2004 konnten wir 2 Jahre lang den Abstieg erst im letzten Spiel, im darauf folgenden Jahr erst kurz davor vermeiden. Nach der tollen Saison 2007/2008 haben wir uns weiter gesteigert und sind – so denke ich – letztendlich absolut verdient aufgestiegen.

Einen großen Anteil daran kann man dir dabei nicht absprechen, denn du hast vor ein paar Jahren die Verantwortung mit übernommen, die Geschicke des SVM zu führen. Aber vor Verantwortung hast du dich schon als junger Spieler nicht gescheut und als Interimstrainer bist du auch schon erfolgreich in die Bresche gesprungen. Ist Christoph Müller ein Erfolgsmensch?

Schlacks:
Ich will es mal so sagen: Ich bin ein sehr langfristig und sehr positiv denkender Mensch, der sich Ziele setzt, die erreichbar sind und diese dann verfolgt. Die Definition von Verantwortung sieht meiner Ansicht nach ja ganz anders aus. Verantwortung ist weder ein Talent, dass angeboren ist, noch etwas, was man lernen kann. Verantwortung übernimmt man oder man lässt es bleiben! Es ist richtig, dass ich mich frühzeitig entschieden habe, Verantwortung zu übernehmen und dies dann folgerichtig nach meiner gesundheitsbedingten Demission im Aktivenbereich auf den Vorstandsbereich verlagert habe. Entscheidend zum Erfolg im SVM hat aber beigetragen, dass ich nie alleine in der Verantwortung gestanden habe, sondern immer erfahrene Personen an meiner Seite hatte, die schon einiges an Lebenserfahrung aufzuweisen hatten und meine Entwicklung nachhaltig geprägt haben. Ich denke da in der Anfangszeit im Jahr 2000 vor Allem an Ludwig, Harry oder Alfons. Das hat sich weiter fortgeführt und wir sind im SVM mittlerweile in der glücklichen Lage, in vielen Bereichen über Kräfte zu verfügen, die Verantwortung übernehmen, um unseren Verein weiter voran zu bringen und dies auch eigeninitiativ tun.

Für den Erfolg muss man auch Opfer bringen, ein Opfer war im Januar 2007 Michael Widua. Den geplanten Weg des SVM sah man gefährdet und Michael musste gehen. Wie schwer fiel damals die Entscheidung gegen Michael?

Schlacks:
Michael war ja nicht der erste Trainer, der beim SVM freigestellt wurde - auch nicht in meiner Amtszeit. Fakt ist, dass wir uns die Entscheidung seinerzeit nicht leicht gemacht haben und alle positiven wie auch negativen Aspekte diskutiert haben und das, ohne den damals nicht positiver zu gestaltenden Tabellenstand mit einzubeziehen. Es war letztendlich eine Entscheidung für die Zukunft, die uns natürlich gerade in der Umsetzung sehr schwer gefallen ist.

Mit der Verpflichtung von Arno war man zum Erfolg praktisch gezwungen, sonst hätte man sich nach Außen doch ziemlich lächerlich gemacht. Hattest du Bedenken, das Unternehmen Arno Michels könnte in die Hose gehen?

Schlacks:
Nein, ganz im Gegenteil. Ich war von Anfang an davon überzeugt, dass Arno genau der richtige Mann ist, um unsere Ziele voranzubringen und unsere Vorstellungen umzusetzen. Ich denke, dass ist ihm und uns auch gelungen.

Zwei gute Rheinlandligajahre und der Aufstieg mit der Zweiten haben alle damaligen Kritiker verstummen lassen und der SVM ist zur zweiten Adresse im Bezirk Trier aufgestiegen.
Und dann Arno`s Kündigung, mal ehrlich, was ging dir spontan durch den Kopf als Arno seine Entscheidung mitgeteilt hatte?

Schlacks:
OK, das lief ja so ab: (Handy klingelt) Ich: „Guten Morgen Herr Michels ?“ / Arno: „Hallo Christoph, …Christoph … ich gehe … ich bin weg“ / Stille und ich hab mich erst noch mal hingesetzt: „Waaas, wie bitte ..? Wieso, weshalb???“ / Nachdem dann die Fakten geklärt waren, habe ich erst mal alle aus dem engsten Kreis informiert und dann mit der Arbeit angefangen, die ja so nicht mehr geplant war. Verärgert war und bin ich in so fern, dass der DFB solch eine - für einen Verein elementare - Entscheidung, drei Wochen vor Beginn der Vorbereitung getroffen und mitgeteilt hat! Wäre das im Januar oder Februar passiert, hätten wir „in Ruhe“ einen neuen Coach suchen können. Jetzt war Geschwindigkeit angesagt…

Die Suche nach einem geeignetem Nachfolger für Arno war schon schwer genug, aber angesichts des späten Zeitpunktes erschwerte sich dieses umso mehr. Aber mit Sascha Meeth hast du dann doch noch einen sicherlich guten Nachfolger für Arno gefunden. Willst du uns kurz erzählen wie es zur vielleicht etwas lustigen Verpflichtung von Sascha kam?

Schlacks:
Ich hatte relativ schnell einige Namen auf dem Zettel, ohne Gespräche geführt zu haben. Auch von Arnos Seite gab es Vorschläge und wir hatten als bald ein Gespräch mit Jürgen Roth-Lebenstedt. Trotz des sehr guten Gesprächs, musste Jürgen letztendlich doch - aus familiären Gründen - absagen. Meine Liste wurde aber immer länger, weil ich einige Leute angespitzt hatte, die mich bitte mit Namen füttern sollten. Ich bin dann hingegangen und habe mich über die potentiellen Kandidaten informiert, u.A. auch bei Sascha, der zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht als Kandidat auf meinem Zettel stand, weil ich – warum auch immer??? – davon ausgegangen war, dass er zeitlich gar keine Möglichkeiten hätte, so etwas mit uns zu realisieren. Auch Sascha nannte mir weitere Namen und ich habe am Morgen danach mit unserem Ex-Trainer ED telefoniert. Er hat dann gleich den Namen Sascha Meeth aufgerufen, worauf ich ihm entgegnete, dass Sascha doch gar nicht zur Verfügung stehe, weil er bedingt durch sein Studium (dachte tatsächlich er wäre noch dran) gar keine Zeit dafür hätte. ED meinte nur, dass er das so aber nicht wüsste ... und ich dachte mir nur: „Müller, Müller, Müller … bist du ein Idiot!“. Habe dann den ganzen Tag versucht Sascha zu erreichen, was mir allerdings erst gegen Abend gelungen ist. Der Rest ist ja bekannt. ?

Der kurzfristige Weggang von Arno hatte auch in der neuen Kaderplanung etwas für Unruhe gesorgt. Einige Spieler mit denen Arno noch den Kontakt geknüpft hatte, waren sich nun nicht mehr sicher zum SVM zu wechseln und als Sascha`s Zusage feststand war die Zeit für ihn zu knapp um noch entsprechende Gespräche mit anderen Spielern zu führen. Am Ende haben wir dennoch einige Neuzugänge vorzuweisen. Wird dieser Kader qualitativ wie quantitativ ausreichen um in Rheinlandliga und Bezirksliga eine sorgenfreie Saison zu haben?

Schlacks:
Ich denke, wir haben uns sowohl qualitativ, als auch quantitativ sehr gut verstärkt und auch der für den SVM unheimlich wichtige charakterliche Faktor passt.
Im Übrigen konnten wir nahezu alle Spieler, die bereit durch Arno kontaktiert wurden, auch tatsächlich verpflichten. Die Mannschaften werden ihren Weg gehen, definitiv!

Wenn man sich das Alter der neuen Jungs anschaut, sind sieben Spieler nicht älter als 20 Jahre.
Hatte man bewusst nach jungen talentierten Spielern Ausschau gehalten?

Schlacks:
Das ist eine der konzeptionellen Prämissen, nach der wir unseren Kader zusammenstellen.

Mit der zweiten Mannschaft in der Bezirksliga hat der SVM nun natürlich ein weiteres Argument junge talentierte Spieler nach Morbach zu holen um ihnen ein sportliches Sprungbrett zu bieten.
Glaubst du, dass diese Möglichkeit auch auf die Zukunft gesehen ein großer Vorteil sein könnte?

Schlacks:
Auch davon bin ich überzeugt. Ja!

Es wurden schon wieder Stimmen laut, warum der SVM keine Spieler aus der Gemeinde verpflichtet.
So viel ich weiß waren Gespräche geführt worden, aber die betreffenden Spieler wollten oder trauten sich nicht den Schritt zu wagen. Ist das richtig?

Schlacks:
Das war bei dem ein oder anderen der Fall. Viele der „jungen Wilden“ aus unserer EG sind aber schon gewillt, den Schritt zum SVM zu gehen. Leider gibt es allerdings noch immer große Widerstände aus dem Umfeld der Nachbarvereine, was ich auch – zumindest teilweise – absolut nachvollziehen kann, weil jeder Verein bestrebt ist, seine Jungs selbst zu halten. Es sollte dann aber auf einer fairen Ebene ablaufen, was bei einigen nicht der Fall ist. Wir werden aber unseren Weg weitergehen und speziell die Spieler innerhalb unserer Umgebung beobachten und versuchen, sie von einem Entwicklungsprozess beim SVM zu überzeugen, weil das bei den Stärksten der entsprechenden Jahrgängen der einzig richtige Weg ist. Wir dürfen nicht warten, bis sie zu anderen, höherklassigen Vereinen wechseln! Ich behaupte aber mal, das wäre bei einigen schon für die kommende Saison gelungen, hätten wir unser Augenmerk - gerade von „alter“ Trainerseite aus - intensiv darauf ausrichten können. So mussten andere Dinge in den Vordergrund gestellt werden. Aber wie gesagt: Das wird kommen!

Um noch einmal auf den Aufstieg der Zwoten zurück zu kommen, er war nicht zwingend herbei gesehnt aber in absehbarer Zeit mit dieser entwicklungsfähigen Mannschaft schon geplant.
Als wir vor 25 Jahren mit der ersten Mannschaft in die Bezirksliga aufstiegen, sprach unser damaliger Präsident Alfons Jakobs, wir brauchen nun ein stärkeres Fundament.
Glaubst du, der SVM im Ganzen ist bestens gerüstet, um auf Dauer diese neuerliche Belastung zu tragen?

Schlacks:
Wir haben sicherlich noch in allen Bereichen Baustellen. Das Schöne ist aber, dass die Bauarbeiten voranschreiten und vor allem, dass wir immerzu weitere neue aber auch altbewährte Kräfte gewinnen bzw. zurückgewinnen, ohne die Um- bzw. Erweiterungsbauten nicht möglich wären. Ich versuche mal, meine Sicht über ein aktuell oft zitiertes Bild auszudrücken: Vom Potential unseres Vereins, unserer Region und unserem gesamten Umfelds aus gesehen, haben wir gerade das „Frei Parken“ verlassen und befinden uns auf dem Weg zum „Nordbahnhof“. Bis zur „Schlossallee“ haben wir also noch einiges an Luft.

In den letzten 25 Jahren wurde nicht mit aller Macht versucht auf die Schnelle nach oben zu kommen, so wie es im Umkreis von 30 km schon Einige probiert hatten, sondern es wurde behutsame Aufbauarbeit geleistet, wobei auch mal ein Stein heruntergefallen war, sprich auch mal den ein oder anderen Abstieg in Kauf genommen wurde.
Doch im Gegensatz zu Anderen fing sich der SVM immer sehr schnell wieder und setzte den Stein wieder auf.
Nun wurde ich zuletzt in Detzem von einem ehemaligen Spieler des SVM gefragt, wo wollt ihr denn eigentlich noch hin? Ich antwortete nur, von Morbach ins Saarland und in die Pfalz bist du schneller als in den Westerwald!
Und da ich den Schlacks eigentlich ganz gut kenne, gehe ich davon aus, er würde auch mal gerne nach Neunkirchen, Pirmasens oder Homburg fahren?

Schlacks:
Da liegt doch auch irgendwo die Schillerstraße, oder??? ;-)

Für das Gespräch bedankt sich Udo Greweling

>>Die SVM Laufbahn des Christoph Müller<<
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