Im Gespräch mit
Sascha Meeth am 08.12.09


Trainer Sascha Meeth,

so überaschend wie er kam, so überaschend verläßt er uns auch wieder


Hallo Sascha,
bevor die Leute anfangen zu reden, dass die Niederlage in Strohn den Ausschlag gab für deinen Rücktritt, wollen wir hiermit klarstellen, dass dem nicht so ist, denn der Entschluss stand schon etwas länger fest, wann genau?

Sascha: Hallo Udo, ja, da hast du völlig recht, die Niederlage in Strohn hat ebenso wenig wie alle anderen Niederlagen oder Unentschieden in dieser Saison irgendetwas mit meiner Entscheidung zu tun, den SV Morbach bereits nach so kurzer Zeit wieder verlassen zu müssen.
Die Chronologie war die, dass der Vorstand vor einigen Wochen anfragte, ob ich meinen Vertrag bereits frühzeitig um ein Jahr verlängern würde. Da die Anfrage immer intensiver wurde, stellte ich nach der Partie gegen Wirges II konkrete Überlegungen an. Natürlich schossen mir auch in den Tagen und Wochen zuvor bereits Zukunftsgedanken durch den Kopf. Leider konnte dabei schlussendlich nur herauskommen, dass ich diesen enormen Aufwand keine weitere Saison mehr durchhalten kann. Also ging es in meiner Entscheidungsfindung darum, wie wir zukünftig zum Wohle des SV Morbach weitermachen sollten: Trennung im Sommer oder bereits im Winter. Auch hier gab es aus meiner Sicht nur eine sinnvolle Lösung. Für mich war klar, dass es vernünftiger wäre, einen neuen Trainer möglichst früh zu installieren, damit er in aller Ruhe für die kommende Saison planen und seine Vorstellungen verwirklichen kann. Ich hatte ja im Sommer erlebt, wie es ist, wenn man Knall auf Fall ohne Vorbereitungszeit einsteigt. Somit bat ich den Vorstand vor dem Neitersen-Spiel um ein Gespräch.
Die Tendenzen dazu, diesen Aufwand nicht ewig betreiben zu können, waren also schon länger da, definitiv stand meine Entscheidung dann in der Woche vor der Neitersen-Partie.

Der zeitliche Aufwand ist natürlich enorm, den du da wöchentlich von deinem Wohnsitz Mainz auf dich genommen hast. Kann es sein, dass du dieses zu Saisonbeginn etwas unterschätzt hast?

Sascha: So ganz von der Hand zu weisen ist das sicher nicht. Allerdings finde ich es nach wie richtig, den Schritt gemacht zu haben. Der zeitliche Aufwand war ja bereits im Sommer der Punkt, der meine Zusage hinauszögerte. Ich führte einige Gespräche und schlussendlich entschied ich mich dazu, die interessante Aufgabe anzugehen.
Nun entwickelten sich einige Dinge jedoch so, wie sie nicht vorherzusehen waren. Einmal hätte ich niemals geahnt, dass ich von Mainz bis Rheinböllen ständig, also Tag für Tag, im zähfließenden Verkehr oder im Stau stehe. Ich muss also immer um 16.45 Uhr losfahren, um um 19.00 Uhr das Training aufgebaut zu haben und leiten zu können.
Die gravierendsten Veränderungen ergaben sich jedoch in der Schule. Hier musste ich zusätzliche Posten und AGs übernehmen. Außerdem bin ich im Personalrat und im Zuge der Einführung der Realschule Plus haben wir hier unglaublich viel zu tun und zu planen. Schlussendlich bat mich unsere Fachgruppe Sport noch, in den kommenden Monaten einen Fußballzweig von Klasse 7-10 auszuarbeiten und zu konzipieren.
Es ist so, dass ich mittags nie vor 16 Uhr zu Hause bin. Oftmals ging es sofort aus der Schule zum Training. Und gegen 23 Uhr bin ich in der Regel wieder zurück. Irgendwann muss ich auch mal korrigieren, Unterricht vorbereiten oder einfach alltägliche Dinge erledigen. Summa summarum kann man so etwas einfach nicht dauerhaft aushalten. Wäre alles so geblieben wie letztes Schuljahr, wären Fußball und Beruf sicher für einen gewissen Zeitraum miteinander zu vereinbaren gewesen, so wie sich alles entwickelt hat, gehts leider nicht.

Nach grob geschätzten 20.000 gefahrenen Kilometern bleibt sicher einiges auf der Strecke, da muss man wohl bei aller Liebe zum Fußball auch mal Privates in den Vordergrund stellen?

Sascha: In der Tat, das muss man. Wie oben beschrieben, sind die beruflichen Gründe die wichtigsten, aber auch gesundheitliche und private Aspekte mussten zwangsläufig zu dieser Entscheidung führen. Ich kann meiner Freundin nicht genug danken, dass sie mir immer freie Hand gelassen hat und das alles mitmachte. Auch jetzt hat sie mich in keinster Weise beeinflusst. Trotzdem bin ich froh, auch sie nun nochmal öfter sehen zu können.

Sicher fällt es dir nicht leicht zu gehen, aber die Mannschaft hat es dir in Strohn auch nicht wirklich schwerer gemacht?

Sascha: Ach Udo, als Trainer solltest du immer mittel- bis langfristig denken und handeln. Das Strohn-Spiel war zwar unglaublich enttäuschend, aber es hat meine Entscheidung weder leichter noch schwerer gemacht.
Ich glaube, jeder vernünftig denkende Mensch kann nachvollziehen, dass nun, wie sich meine beruflichen Aufgaben entwickelt haben, mein Schritt nur folgerichtig ist und ich irgendwo auch froh bin, dass dieser Aufwand Beruf und SVM bald ein Ende hat. Allerdings weiß auch jeder, der mich kennt, dass viel viel Wehmut mitschwingt. Ich habe wirklich sehr gerne mit den Menschen hier zusammengearbeitet. Ich freue mich wirklich, dass ich so Leute wie „Schorsch“ Schuh, Harry Rosner, Andy Kneppel, Gaga, Jogi, Hermann und Monika oder Sawyer kennen lernen durfte. Uli oder Torre kenne ich schon lange, dass die beiden super Typen sind, hat sich nur bestätigt. Ebenso hat mir die Arbeit mit den Jungs wirklich Spaß gemacht. Ich denke, wir haben schon unseren Weg gefunden und wir kamen gut miteinander aus. Umso mehr wurmt es mich, dass ich nicht gemeinsam mit der Truppe zeigen kann, dass wir nach einer intensiven Wintervorbereitung viel viel besser hätten kicken können, als wir es zuletzt zeigten. Das nervt mich total, aber man kanns halt nicht ändern.

Du hattest dich auch bei schlechten bzw. sehr lustlos wirkenden Spielen immer vor die Mannschaft gestellt. Kann man sagen, dass du ein klein wenig von dem Ein oder Anderen enttäuscht bist?

Sascha: Das ist meine Philosophie, die ich nun auch nicht ändern werde. Also werde ich einen Teufel tun und nun draufhauen. Intern habe ich oftmals Dinge angeprangert, die haben aber nichts in der Öffentlichkeit verloren. Ich sehe mich als Teil der Mannschaft und muss alles für das Team und den Verein geben. Ich weiß nicht, ob jeder immer so dachte, unterstelle aber jedem Spieler, dass er das Beste für den SVM wollte und will. Wir haben hier weiß Gott keine schlechten Kerle, die absichtlich schlecht spielen.
Schlussendlich weiß ich aber auch genau, dass ich mitverantwortlich für die eher schwachen Leistungen der letzten Wochen bin. Ich kenne zwar auch die Gründe hierfür, aber im Endeffekt zählen die Fakten, sprich der tabellarischen Situation. Die ist nicht zufrieden stellend, also kann ich nicht alles richtig gemacht haben. Ich hoffe und wünsche mir für den SVM, dass zukünftig jeder so selbstkritisch mit sich umgeht, wie ich es immer getan habe.

Was würde Trainer Sascha Meeth anders machen, wenn am Sonntag der 1. Spieltag wäre?

Sascha: Trotz aller Selbstkritik: Vor dem ersten Spieltag nicht so sehr viel. Nach einer anfänglichen Arroganz im Team sind wir gut in Tritt gekommen.
Insgesamt möchte ich öffentlich auch nicht nachkarten. Eins kann ich jedoch sagen: Ändern würde ich mein Verhalten im Oktober. Da sich hier bereits für mich andeutete, dass ich den Verein voraussichtlich verlassen würde, war ich nicht mehr so konsequent, wie ich es hätte sein sollen. Ich wusste, dass ich mit dem einen oder anderen Spieler nicht so richtig zusammenkommen würde. Nun entschied ich aus Rücksicht auf den Verein, statt aus meiner Überzeugung. Statt diese(n) dann für ein paar Spiele zu suspendieren oder mit der Zweiten zu schicken, versuchte ich es immer wieder mit guten Worten. Ich dachte, es sei dem SVM gegenüber unfair, jemanden rauszuschmeißen oder sonst wie zu sanktionieren, schließlich bin ich bald weg und dann wäre es der Spieler auch gewesen. Diese Vorgehensweise war falsch, auch in solch einer Situation musst du als Trainer konsequent deinen Überzeugungen folgen und Zeichen setzen, um den Ein oder Anderen wachzurütteln. Doch insgesamt denke ich sagen zu können, dass ich alles für den Verein gegeben und keinen ganz miserablen Job gemacht habe.

Den Verein SV Morbach und sein Umfeld hast du nun ein halbes Jahr ganz nah kennen gelernt.
Was war für dich positiv anders?

Sascha: Hierzu habe ich ja bereits oben einiges gesagt. Toll finde ich, wie viele engagierte Menschen hier arbeiten und einen tollen Job machen. Einige habe ich ja bereits namentlich genannt, diejenigen, die ich nicht aufzählte, mögen es mir verzeihen. Positiv fand und finde ich auch, dass viele Leute hier sehen, wie sehr ich mich hier engagierte und mir immer den Rücken stärkten. Ausdrücklich möchte ich mich in diesem Zusammenhang nochmals beim Vorstand, insbesondere bei Schlacks, Schorsch und Kevin bedanken. Es war fantastisch mitzuerleben, wie sehr sich der Vorstand um eine weitere Zusammenarbeit bemühte und was die Drei mir alles ermöglicht hätten. Solch eine Unterstützung und Rückendeckung kann sich ein Trainer nur wünschen. Zusammen hätten wir sicher noch viel erreichen können. Nun drücke ich dem Verein ganz feste die Daumen, dass er mit dem neuen Trainer noch viel erreicht!

Am Samstag gegen Zell zum letzten Mal auf der SVM-Bank. Wird es den Trainer Meeth auch weiterhin geben?

Sascha: Bis zum Sommer sicherlich nicht. Ich bin total platt und ausgebrannt und werde bis zum Sommer definitiv nichts mehr im Fußballbereich machen. Wie der Zufall es will hatte ich in den letzten Wochen zwei lose Anfragen, die ich aber sofort absagte, obwohl sie unglaublich reizvoll gewesen wären.
Nun muss ich erstmal durchpusten und mich auf die Schule konzentrieren. Wenn dann ab Sommer die neue Realschule Plus läuft, werde ich sicherlich wieder was machen. Ganz, ganz sicher aber im Raum Mainz mit einer maximalen Fahrzeit von 30 Minuten.

Na dann wünsche ich dir für deine Zukunft alles Gute, vielleicht holt Arno dich ja zum FSV Mainz!!!

Sascha: Vielen Dank Udo. Obwohl ich Arno über die Maßen schätze und seine Arbeit sehr bewundere, kannst du davon ausgehen, dass ich selbst auch den einen oder anderen Kontakt zu Vereinen habe. Aber es stimmt, es tut schon gut, immer wieder auf den Rat und das Wissen eines Arno Michels zurückgreifen zu können.
Schlussendlich möchte ich mich hiermit nochmals ausdrücklich bei allen bedanken, die mir in den vergangenen Monaten den Rücken gestärkt und mir bei meiner Arbeit hier geholfen haben. Ich wünsche der Mannschaft, dem neuen Trainer und dem gesamten SVM von Herzen alles erdenklich Gute für die Zukunft!


Für das Gespräch bedankt sich Udo Greweling

 

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