Im Gespräch mit
Michael Herges
(24.05.11)


Unser Hiege geht einen neuen Weg

Der Michel, wie ich ihn immer nannte, war für mich wie ein Ziehsohn, genau so wie seine Kumpels.
Im Kindergartenalter hatte ich die Jungs zusammengetrommelt und bin mit ihnen auf den Sportplatz gefahren und habe den Knirpsen versucht das Fußballspielen beizubringen. Es war natürlich nicht so einfach wie heute auf dem Kunst- oder Naturrasen, denn der Ascheplatz lud die „Kleinen“ immer wieder dazu ein, sich auf den Hintern zu setzen und kleine Sandhügelchen zu formen.

Hinten die beiden Trainer
Raimund Lengert und Udo Greweling

Stehend v.l.: Mario Klingler, Thomas Groß, Michael Herges, Kevin Greweling

Vorne v.l.: Patrick Eck, Mirko Schuh, Dirk Gogolla, Patrick David, Volker Martini Emden

 

Aber irgendwie habe ich es dann doch hingekriegt ihnen die Grundbegriffe der schönsten Sportart der Welt beizubringen.
Staffelsiege, Kreismeisterschaften, Kreispokalsiege sowie erfolgreiche Hallenturniere waren in den jüngsten Jahrgängen von F bis D Jungend
fast an der Tagesordnung.
Größter Erfolg dürfte jedoch die Bezirksligameisterschaft mit der C-Jugend gewesen sein, als man von 22 Spielen nur einmal nicht als Sieger vom Platz ging und bei der anschließenden Rheinlandmeisterschaft nach einem 5:0 Sieg gegen TuS Koblenz und einem 2:2 in Eisbachtal den 2.Platz belegte.
Im jüngsten B-Jugendalter qualifizierte man sich für die B-Jugend - Rheinlandliga und es folgten nach der neuen Jahrgangsreform für Hiege 2 Jahre B-Jugend Rheinlandliga.
Mit der A-Jugend wurde er dann Kreisligameister und nach einem Bezirksligajahr kam Michel 2001 in den Seniorenbereich des SVM, wo er auf Anhieb in der ersten Mannschaft seinen Platz gefunden hatte und zum Aufstieg in die Rheinlandliga im Jahr 2003 seinen Anteil beigetragen hatte.


Hiege mit Roland Klingel nach dem letzten Heimspiel in der Saison 2003


In der Rheinlandliga und unter dem neuen Trainer Klaus Kapalla war Michel dann nicht mehr erste Wahl und war vermehrt in der zweiten Mannschaft im Einsatz, mit der er dann 2004 den Meistertitel in der B-Klasse errungen hatte. Unter Trainer Widua fand Michel 2005 den Weg zurück zur Ersten und gehörte zur Meistermannschaft 2007.


Hiege mit Basti Diedrich bei der Meisterfeier 2007


Mit insgesamt über 300 Spielen im Seniorenbereich für den SV Morbach, hat sich der Michael, Hiege oder mein Michel schon mehr als verdient gemacht.


Hallo Michel,
im besten Fußballalter von 29 Jahren verlässt du deinen Verein nach 24 Jahren und gehst in die B-Klasse.
Du bist zwar nur einen Kilometer von Morbach entfernt, dennoch, wie schwer fällt dir der fußballerische Abschied vom deinem SVM, den du auf
und außerhalb des Platzes mit allen Mitteln verteidigt hast?


Michael:
Hallo Udo! Wenn ich ehrlich bin, gar nicht so sehr. Ich wollte einfach nicht noch eine Saison ohne fehlende Fitness und teilweise fehlende Motivation spielen.
Dazu kam einfach die Lust auf was Neues. Einige Kontakte werden mir sehr fehlen, vor allem die Zeit mit den Jungs Ol, Hanno, Dave, Sascha, Artem etc.
Sorry jetzt habe ich unseren schwarzen HE-MAN vergessen, der konnte alles, ausser Karten spielen! (Eloy!!! > Vergiss es nie > Stellung ist alles)

Als Wechselgrund nanntest du deinen Job, der dir nicht den benötigten Freiraum lässt um ordentlich zu trainieren.
Aber als Spielertrainer dürfte der Zeitaufwand auch nicht weniger sein.
Wie bekommst du denn das auf die Reihe?


Michael:
Ursprünglich stand Spielertrainer nicht zur Diskussion, da ich es arbeitsmässig nicht geschafft hätte. Da ich aber mit Achim Hunold in meinen Augen einen erfahrenen und kompetenten Mann als Co-Trainer an der Linie habe, der auch mal die ein oder andere Trainingseinheit abdeckt, war der Weg zum Spielertainer frei.
Dazu noch ein gutes Gespräch mit meiner besseren Hälfte und das Ding war geritzt. Ich freue mich sehr auf die Aufgabe.

Auf welcher Position wird der Trainer Herges den Spieler Herges denn in der B-Klasse aufstellen?

Michael:
Zunächst mal muss ich mein Spielerrepertoire checken, ob es sinnvoll ist eine Abwehrkette einzuführen.
Dazu kommt das es in der B-Klasse keine Linienrichter gibt (da fällt mir gerade auf > ist ja wie in der Rheinlandliga) und somit ist Abseits teilweise reine Glückssache.
Ich könnte mir auch gut einen 6 er vorstellen, weiter nach vorne möchte ich nicht, da ich sehen will was die Jungs vor mir so treiben.

Jetzt kenne ich ja deinen neuen Vereinspräsidenten nur allzu gut.
Der ist nicht nur Fan vom großen FCB, sondern der träumt ja auch davon mit seinem kleinen FCB nicht auf Ewig in der B-Klasse rum zu dümpeln. Hat er dir dieses bei deiner Verpflichtung auch mit auf den Weg gegeben?


Michael:
Nein. Er war mit meinen Zielen absolut einverstanden. Aber selbst wenn er das Ziel Aufstieg gehabt hätte, wäre das doch nur legitim.
Ich habe kleinere aber in meinen Augen wichtigere Ziele um ein Fundament für alles weitere zu ebnen. (nicht nur fussballerisch)

In Bischofsdhron wirst du auch wieder alte Weggefährten aus der Jugend antreffen, die nicht mehr das gleiche spielerische Format haben wie du.
Jetzt hattest gerade du immer gepredigt, wenn man sich in untere Klassen zurück zieht, passt man sich schnell den Anderen an.
Was wirst du tun, damit dir das nicht passiert?


Michael:
Ich weiß gar nicht ob man was dagegen tun kann, mein Niveau wird sich mit der Zeit auch ändern. Das ist aber nicht der Punkt.
a) Gibt es in der B- Klasse auch Leute die kicken können (natürlich nicht in der Breite).
b) kann Motivation und Fleiß vieles wett machen.
Meine Aufgabe besteht jetzt darin, meine Spieler zu verbessern und ihnen Möglichkeiten aufzuweisen. Entscheiden müssen sie selbst.

Wie sich der Kreis doch schließen kann, in der Jugend schon fast immer im Zweikampf mit dem FSV Salmrohr und
letzten Sonntag dein letztes Auswärtsspiel mit dem SVM in Salmrohr. Wie wird das für dich in Zukunft sein, wenn der Gegner plötzlich FC Gielert heißt?


Michael:
Das sind alles Menschen die nicht zu meinem Team gehören und gegen uns gewinnen möchten, von daher ändert sich nicht viel.
Natürlich war es auch für mich immer eine besondere Rivalität mit Salmrohr, aber jetzt benötigen wichtigere Dinge meine Aufmerksamkeit.
Aber von mir aus können sie direkt wieder absteigen.

Aber, aber, die brauchen wir doch in der Oberliga, wegen den zukunftigen Derby`s (Ha,ha).
Am Sonntag gegen TuS Koblenz II wirst du dein letztes Spiel in der ersten Mannschaft des SVM bestreiten.
Damit hast du 246 Spiele und überholst in der Ewigentabelle unter anderem Gaga und Schlacks, sowie Pold und bist die Nr.15.
Was bedeutet das für dich?


Michael:
Nochmal > Es hat keine Bedeutung für mich. Es ist die Zeit, Augenblicke, Momente die ich mit unterschiedlichen, interessanten,
auch für mich wichtigen Menschen verbracht habe. Nicht nur Spieler, auch Gaga, Sawyer, Herrmann etc.
Für das was man gemeinsam erlebt hat und so viel gelacht hat, habe ich mir 24 Jahre für Rot-weiss die Tapete aufgerissen.
Jetzt brauche ich allerdings eine neue Aufgabe, eine neue Herausforderung.

Ja, ja, der coole Hiege,
dein Freund Mario hat immer gesagt, er würde nie für Geld irgendwo anders spielen.
Da bist du natürlich ganz anders gestrickt, nach dem Motto, man muss nehmen was man kriegen kann!
Jetzt mal unter uns, es wird ja immer nur so gemunkelt!! Wie dick ist denn dem Achim seine Brieftasche nun?

Michael: (lachend)
Da kennst du Mario aber schlecht.
Mal im Ernst, es ist doch kein Geheimnis das ich dort auch Geld verdiene.
Es ist in meinen Augen aber ein Betrag der gerechtfertigt und nicht utopisch ist.
Bischofsdhron denkt das wohl auch, sonst hätten sie mich nicht eingestellt.
Und Udo > Man soll sich nicht nehmen was man kriegen kann, sondern sich das nehmen was man verdient.

Und ich dachte, in Bischofsdhron denkt und lenkt nur Einer.
Viele Leute werden aber sehr traurig sein dass du nicht mehr für den SVM aktiv bist, so auch ich und Gaga versteht es garnicht.
Aber ich wünsche dir trotzdem alles Gute für deine neue Herausforderung.


Michael:
Einige werden traurig sein, andere nicht, so spielt das Leben. Für diejenigen die traurig sind > Ihr findet mich ab und an noch an der Theke >
Noch einmal mit Gefühl !
Nochmals danke für alles und Hiege hält es mit dem deutschen Schriftsteller Jean Paul: "Die Erinnerung ist das einzige Paradies aus dem wir nicht vertrieben werden können"

Oh, ich habe garnicht gewusst das du so anspruchsvolle Literatur lesen tust. Da fällt mir nur folgendes dazu ein, was sicher auch auf dich zutrifft.
"Der Humor ist keine Gabe des Geistes, er ist eine Gabe des Herzens." - Ludwig Börne, Denkrede auf Jean Paul

Hiege ist ja stets bekannt für markige und humorvolle Sprüche. Es gibt sicher Hunderte davon, aber einer wird mir wohl auf Ewig verinnerlicht bleiben.
Es war an einem Sonntagnachmittag an der Morbacher Kirmes, ich hatte Dienst im AH-Stand als Hiege und die anderen Jungs ihre Runde drehten.
An unserem zu dieser Tageszeit nicht sehr stark besuchtem Stand vorbeikommend, meinte Hiege ganz locker:
"Bei uns im Kühlwagen ist ja mehr los als bei euch am Bierstand"

Und hier mein lieber kleiner Michel, ein Gedicht von mir für dich:

Michael “Hiege“ Herges, nun gehst du von Bord,
du gehst zwar nur zum Nachbarort,
aber du bist jetzt trotzdem fort.
In der Jugend warst du mein Goalgetter,
fortan war ich für dich „dein Entdecker“.
Deinen Opa machtest du schnell arm,
denn pro Tor bekamst du einen Heiermann. (5 Mark)
Beim Roland später musstest du ins Mittelfeld,
doch all zu oft liefst du nur lässig übers Feld.
Zauberpässe schlugst du zwar aus dem Fußgelenk,
aber du bliebst ein schlampiges Talent.
Deine Trainer wussten sich keinen Rat,
bis Arno dich in die Abwehr tat.
Geboren war das neue Abwehr-Ass,
denn du machtest alle Stürmer nass.
Und wenn der Kevin sieht mal rot,
gehst du auch ins Tor zur Not.
Nun gehst du von Bord,
wenn auch nur zum Nachbarort,
aber bitte bleib nicht zu lange fort.

Für das Gespräch und die schöne Zeit bedankt sich Udo Greweling

 

 


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